Utzon's Fredensborg Husene nördlich von Kopenhagen

Referenten

Architektin Dorte Mandrup-Poulsen, Referentin, Kopenhagen

Architektin Dorte Keis, Referentin, Assoc. Partner "Arkitema Arch."

Wohnquartier Nyboder in Kopenhagen

Jørn Utzon Bagsvaerd Kirche im Norden von Kopenhagen

2012/06_TAGUNG/EXK._KOPENHAGEN

Stille Zurückhaltung - Haus B, ein Werkbericht_Prof. Christine Remensperger / Planen mit der EnEV: Chance oder wirtschaftliche Zumutung?_Dipl.-Ing. Stefan Horschler / Energieautarke Ziegelhäuser - Wegweiser in die Zukunft_Prof. Timo Leukefeld / Arne Jacobsen_Prof. Kuno Mauritius Schneider / Munkegaard School - Hommage underground_ Dipl.-Ing. Dorte Mandrup-Poulsen / Master- plan for Sluseholmen+selected projects_Dipl.-Ing. Jorgen Bach

Auf zum Gral des Designs des 20. Jahrhunderts! Die ganz-
heitliche Betrachtungsweise Arne Jacobsen‘s „Vom Städte-
bau bis zum Essbesteck“ ist heute noch prägend in der Lehre
in Architektur- und Design. Exkursionen zu den bedeutendsten Bauwerken der „skandinavischen Schule“ sind geradezu Pflichtprogramm für angehende Architekturschaffende und zukünftig wegweisende Designer. Ähnlich wie Kenntnisse über griechische und römische Architektur und Kunst die Basis für
eine anspruchsvolle Ausbildung sind, wird das Wissen über die Klassische Moderne und ihre spezielle Ausprägung im nord-
europäischen Raum nach wie vor hoch geschätzt. Ziel der Professoren-Tagung und -Exkursion war es nun, diese Lehr-
inhalte durch aktuelle Themen zu erweitern und die ganzheit-
liche Herangehensweise mit brisanten Fragestellungen des
21. Jahrhunderts zu verknüpfen. Beim Besuch der Bauten von Arne Jacobsen und Jørn Utzon, Kai Fisker und Finn Juhl können neben herausragenden gestalterischen und konstruktiven Fähigkeiten ebenso Qualitäten bewundert werden, die Menschen dazu bewegen, seit Jahrzehnten nach Klampenborg, Bagsvaerd oder Fredensborg zu pilgern. Siedlungen und Gebäude, die Kraft und Ruhe ausstrahlen und sich wie selbstverständlich, auch heute noch gut erhalten und wohl genutzt, in die Landschaft einfügen. Ihre Zeitlosigkeit überzeugt. Ihr modernes Gepräge, das ohne das im 21. Jahrhundert weit verbreitet Signalhafte auskommt.
Prof. Christine Remensperger verfolgt beharrlich ähnliche Ziele und es gelang ihr - gegen alle Widerstände der Bauverwaltung - ein unprätentiöses Wohnhaus am Rande Stuttgarts entstehen zu lassen, das trotz seines zurückhaltenden Gepräges und seiner einfachen, traditionellen Bauweise, ganz selbstverständ-
lich hohe Ansprüche erfüllt und dadurch die Aufmerksamkeit der Fachwelt erregte. Wie wohltuend wäre es, wenn bauwillige Menschen allerorten sich ein Beispiel nähmen an diesen noblen Werten und auf das wahllose „Verbauen“ der Umwelt verzichten würden!
Die Energiewende als omnipräsentes Thema, das die Bau-
schaffenden jeglicher Couleur beständig daran misst, ob sie der Herausforderung unserer Zeit nach Energieeffizienz technisch
und gestalterisch gewachsen sind, wird von Stefan Horschler, seines Zeichens Architekt, mit stark ausgeprägtem bauphysikali-
schem Wissen, von der wirtschaftlichen Seite aus betrachtet. Als absoluter Kenner sämtlicher Inhalte und Aussagen der Ener-
gieeinsparverordnung und ihrer beständigen Veränderungen
kann er zu sämtlichen Regungen dieser Verordnung referieren und auf Auswüchse hinweisen, die nicht nur das Bauwesen zum Erliegen bringen, sondern auch Arne Jacobsen und Kollegen in ihren Grabstätten beunruhigen würden.
Energieautarkie als Ziel treibt auch die Fachleute der Anlagen-
technik um! Die großen Energiekonzerne stehen möglicher-
weise bald eher unterbeschäftigt herum, wenn jeder seine
Energie einfach selber macht. Prof. Timo Leukefeld setzt auf
die Sonne und die Erkenntnisse des Sonnenhausinstituts. Dass dergestalt versorgte Häuser allemal Ziegelhäuser sein können,
die ohne Wärmedämmverbundsystem auskommen, wird immer mehr Menschen klar. Auch hier geht es um einfache Konstruk-
tionen, die überall umsetzbar, langlebig und robust sind. Das
Gros der Bauwilligen kann sich nicht auf hochkomplexe Wand-
systeme mit extrem anfälligen, teuren Komponenten kapri-
zieren! Warum sollten sie auch, wenn ihre Behausungen nicht transportabel sein müssen und sie vielleicht - wie früher auch - selber mitbauen wollen?
So kommen wir wieder zu Arne Jacobsen und seiner kleinen weißen Stadt in Klampenborg. In den 1930er Jahren war die Beschäftigung mit Energieeffizienz eher weniger im Vorder-
grund. Dennoch ging es um die Ausrichtung zur Landschaft
und zur Sonne, um Kompaktheit und Naturverbundenheit. Reduziertheit auch im Einsatz der Baustoffe erfüllt auch heute Grundsätze klarer und nachhaltiger Entwurfspraxis. Der Vor-
trag von Prof. Kuno Mauritius Schneider befasst sich mit Arne Jacobsen als wegweisendem Gestalter seiner Zeit, einem Archi-
tekten, der auch noch gut 100 Jahre nach seiner Geburt als Leitbild für Fachleute und Laien fungiert. Dorte Mandrup-Poulsen zeigt, wie mit dem Erbe Arne Jacobsen‘s auf erfrischend moder-
ne und doch respektvolle Weise umgegangen werden kann. Gleichzeitig können im Erweiterungsbau die heutigen Lehr-
methoden umgesetzt und die Grundsätze der Denkmalpflege respektiert werden. Eine kluge Leistung mit sicherem Gespür für die Bedürfnisse junger Menschen!
Jørgen Bach, Arkitema Architects, führt uns in die städtebauliche Entwicklung im Südhafen von Kopenhagen ein und demonstriert anhand des durch Sjoerd Soeters entwickelten Generalplans, von Borneo in Amsterdam inspiriert, die Veränderungen dieses Gebietes. Unsere Exkursion führt uns zu faszinierenden neuen Wohnbauten, überall am Wasser entlang, von Ørestad im Süden mit seinen Bauten von BIG bis in den Nordhafen.