Besuch des Regensburger Doms

Kartäuserkloster in Novy Dvur, Tschechien

Prof. Pavel Zverina, Referent (links), Architekt Josef Pleskot

Herz-Jesu-Kirche in Prag von Josip Plecnik

Ziegelbaustelle in Litomysl, Tschechien

Schlossbrauerei in Litomysl, ein Projekt von Architekt Josef Pleskot

2011/06_TAGUNG/EXK._REGENSBURG/TSCHECHIEN

Aktuelle Tendenzen in der tschechischen Architektur_Prof. Pavel Zverina / WDVS - und das verlorene Ansehen der Architektur_ Dipl.-Ing. Kerstin Molter & Mark Linnemann / Dämmende Außenwände - auch ohne WDVS - Vermeidung von Bauschäden_ Prof. Sylvia Stürmer / Education Center Nyanza, Ruanda_Dipl.-Ing. Dominikus Stark / Kybernetik und autochthone Architektur - Moderne Ansatzpunkte für energieeffiziente Architektur_Prof. Günter Pfeifer

Die Ende Mai 2011 angekündigte Energiewende in Deutschland - hin zu erneuerbaren Energien für die Erzeugung von Heiz-
wärme und Strom - beschäftigt uns alle spätestens seit der Reaktorkatastrophe in Fukushima. Energiesparen als Aufgabe
für jeden zur Reduzierung klimaschädlicher CO²-Emissionen
und der sorgsame Umgang mit den Ressourcen der Welt als Leitmotiv all unseres Handelns sind heute brisante und allgegenwärtige Aufgaben unserer Gesellschaft. Über-
schwemmt von einer beispiellosen Welle von zumeist billigen Dämmstoffen mit oft unzureichenden Eigenschaften beginnen Architekturschaffende in Deutschland sich Gedanken über die uniforme „Verpackung“ von Gebäuden zu machen.
Kerstin Molter und Mark Linnemann aus Kaiserslautern trafen Anfang 2010 mit ihrem Vortrag „Wärmedämmverbundsystem
und Verbrechen“ beim KAP Forum in Köln den Nerv vieler Menschen. Viele Podiumsdiskussionen und Vortragsveranstal-
tungen nahmen das Thema auf. Zeitungen und Zeitschriften beschäftigten sich Deutschland weit damit. Mit ihrem selbst verlegten Büchlein „WDVS – und das verlorene Ansehen der Architektur“ sind Molter Linnemann mitten in der Diskussion
zur Baukultur in Deutschland gelandet, die droht unter
flächendeckenden Erdölprodukten auf Bestandsfassaden zu ersticken. Die erschreckende Anspruchslosigkeit der Ausfüh-
rungsdetails dieser Verkleidungen bereiten weitere Sorgen. Ausgeprägte Wirtschaftsinteressen der Dämmlobbyisten, weit verbreitete Mängel in der Ausführung oft simpler Dämm-
systeme und ein nur von der Atomindustrie übertroffenes Entsorgungsproblem für spätere Generationen untermauern Molter Linnemanns Thesen.
Prof. Sylvia Stürmer ist Expertin für Bauschäden und für die fachgerechte Verarbeitung von Wärmedämmverbundsyste-
men. Sie beschreibt die Entwicklung dieser Systeme, weist
auf die fachgerechte Verarbeitung hin, die häufig außer Acht gelassen wird und zeigt Mängel und Schäden auf, die durch unsachgemäß aufgebrachte Systeme entstehen können. Alternativen zu den herkömmlichen Systemen, die mit Poly-
styrol oder Mineralfaser operieren, werden von ihr ebenso behandelt.
Prof. Günter Pfeifer arbeitet seit langem dafür, das „architektonische Handwerkszeug“ beim Entwerfen klima-
gerechter Architektur wieder stärker in den Vordergrund zu bringen. Das Feld soll weder dem profitorientierten Gewinn-
denken der Dämmstoffindustrie, noch den Klimafachleuten
mit ihren oft über-zogenen, wartungsintensiven Hightech-Lösungen überlassen werden. Über Jahrtausende geprägte
und durch die Evolution erprobte, einfache Bautechniken und Grundprinzipien sind für ihn auch heute gültige Lösungsan-
sätze auf der Suche nach der architektonischen Kultur.
Kybernetik und autochthone Architektur sind die Pfeiler
seiner Forschung.
Das bei der Tagung vorgestellte Education Center in Ruanda, entworfen und geplant von Dominikus Stark aus München,
ist der lebende Beweis für die Gültigkeit der Thesen zur autochthonen Architektur. Vor Ort hergestellte, speicherfähige Ziegelsteine als dominierendes Material, kombiniert mit Papy-
rusflechtwerk in der Dachuntersicht und für die Türkonstruk-
tionen, sind gefügt zu einer Schatten spendenden, Schutz bietenden Raumfolge, um einen Innenhof gruppiert. Mit ein-
fachen, dauerhaften Details von lokalen Handwerkern sorg-
fältig ausgeführt und durch die geschickte Durchlüftung der Dachkonstruktion auf simpelste Weise gekühlt, ist dieses Ausbildungszentrum nicht nur beispielhaft für nachhaltige,
Lowtech Bauweise, sondern auch ein bemerkenswertes Bau-
werk, das unter extrem erschwerten Bedingungen entstand
und eine Selbstverständlichkeit und Ruhe ausstrahlt, die ihres-
gleichen sucht.
Zu Beginn der Tagung stimmt uns Prof. Pavel Zverina mit
seinem Vortrag über die Entwicklung der aktuellen tschechi-
schen Architektur auf den dreitägigen Exkursionsteil der Veranstaltung ein und beschreibt die vielfältigen Einflüsse der klassischen Moderne und des Prager Frühlings auf die Arbeit seiner KollegInnen in Prag und in anderen Teilen des Landes. Biographien der wichtigsten ArchitektInnen und Bildmaterial,
das wir in Deutschland kaum je so konzentriert zu sehen bekommen, verschaffen uns einen Überblick über die leben-
dige Architekturszene Tschechiens. Die Architekturfakultät
der TU Prag von Alena Sramkova, der preisgekrönte Fuß-
gängertunnel im Park des Hradschin und die Schlossbrauerei
in Litomysl von Josef Pleskot, das Kunstzentrum DOX in
Prag 7 von Ivan Kroupa und die Galerie Benedicta Rejta in
Louny von Emil Prikryl sind nur eine kleine Auswahl an Pro-
jekten, die bei der Exkursion besucht werden, die auf Schritt
und Tritt von der reichen Geschichte und der historischen Architektur Prags und anderer tschechischer Städte begleitet
wird.