Referenten

Prof. Rob Krier beim Vortrag in der Aula der Hochschule Trier

ProfessorInnengruppe vor Palastaula

Großbaustelle und Industriedenkmal in Esch-Belval in Luxemburg

Prof. Rob Krier führt durch die Cité Judiciaire

Teilnehmer vor den Kaiserthermen

2010/06_Tagung/Exk._Trier/Luxemburg

Trier - Weltkultur und Moderne_Prof. Matthias Sieveke / Haut - Wert und Nutzen der Gebäudehülle_Prof. Thomas Jocher / Ausstellungseröffnung Architekturpreis 2009_Architekturmodelle aus dem Studentenworkshop in Baden-Baden Okt. 2009 / Ziegelkonstruktionen heute_Dipl.-Ing. Michael Pröll / Systemstrukturen energieeffizienter Architektur_Prof. Georg Sahner / Wie bauen wir eine Stadt_Prof. Rob Krier

6000 Jahre Ziegelarchitektur und noch kein Ende!
Konstrukteure und Wissenschaftler, die sich damit beschäftigen, neue Baustoffe zu entwickeln, die die Aktivitäten der Menschen vom Hausbau bis zur Entwicklung von Raumstationen für Expe-
ditionen ins All vereinfachen sollen, wähnten das Bauen mit
Ziegel längst am zwangsläufigen Endpunkt. Eingekeilt zwischen Energieeinsparverordnung und andere verschärfte Gesetze,
die vermeintlich die Grenzen der Möglichkeiten dieses Jahrtau-
sende alten Baustoffes erreicht hatten. Sie hatten nicht mit
dem ungeheuren Innovationsdrang der Ziegelhersteller ge-
rechnet, die sich in den letzten Jahren quasi selbst übertroffen haben. Die Bandbreite von schweren, speicherfähigen, nahezu unverwüstlichen römischen Ziegelbauten, die wir anlässlich der Professorentagung in Trier zu sehen bekommen, zu den filigra-
nen, großformatigen hoch-wärmedämmenden Ziegelerzeug-
nissen des 21. Jahrhunderts, die als Teil einer Ausstellung am Rande der Tagung zu sehen sind, dokumentieren den Erfinder-
geist und die Fachkenntnis der jungen Ziegelproduzenten und
das Interesse der Lehrenden an den Hochschulen, die wissen, dass Innovationen sich nicht ausschließlich auf neu entwickelte Kunststoffe, ultrahochfeste Betone oder Metallgitter beziehen müssen. Althergebrachtes Wissen ist in Zeiten ökologischer Umwälzungen häufig Grundstock für neues Denken. Nicht um-
sonst sind baubiologisch geschulte Architekten, nach Jahren
des verpönten Daseins, heute die gefragten Berater im Bau-
bereich. Allergiegeplagte, gestresste Auftraggeber sehnen sich nach Ruhe, behaglichem Raumklima und Baustoffen, die die Gesundheit nicht gefährden. Auch dies sind Errungenschaften unserer Baukultur! So mancher Ziegelbau ist heute sogar
unter „Weltkultur“ einzuordnen.
Prof. Dr. Matthias Sieveke spannt in seinem Vortrag den Bogen von den römischen Anfängen der Stadt Trier wenige Jahre vor Christi Geburt über die noch eindrucksvoll erhaltenen, römi-
schen Großbauten im 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. zur Bischofsstadt und weiter bis zur Moderne. Noch heute ist der gewaltige Ziegelbau der Palastaula als beeindruckendes Zeit-
zeugnis erlebbar. Demgegenüber hat sich der Einfluss
Heinrich Tessenows, der in Trier lehrte und baute, weniger auf Großbauten bezogen, sondern langfristig das Bild des Ein-
familienhauses per se geprägt.
Prof. Dr. Thomas Jocher nähert sich anlässlich dieser Tagung
dem Wert und Nutzen von Gebäuden über die Beschaffenheit der Hüllen, die sie umschließen. Er betrachtet die spezifische Leistungsfähigkeit der „Haut“ im Zusammenhang mit Nach-
haltigkeit und „Schönheit“ und bringt dabei auch energetische
Gesichtspunkte ins Spiel, die eng verknüpft sind mit dem tech-
nischen Betrieb von Gebäuden und damit auch großen Einfluss
auf langfristige Renditebetrachtungen haben.
Dipl.-Ing. Michael Pröll beschreibt die radikal gestiegenen Anfor-
derungen beim Bauen – vor allem in Bezug auf den Wärme-
schutz. Er zeigt, wie einfache, langlebige Wandaufbauten zu qualitätvollen Lösungen führen können, die höchste energeti-
sche Ansprüche erfüllen können - und das bei niedrigen Gebäudelebenszykluskosten. Die Ausstellung zum Architektur-
preis 2009 des Ziegel Zentrum Süd, die in 2010 durch acht Hochschulen wandert, zeigt aktuelle Beispiele bemerkenswerter Architektur in Ziegelbauweise. Gleichzeitig werden die Arbeits-
modelle aus Lehm, Exponate des Studentenworkshops der Hochschulen Augsburg und Trier vom Oktober 2009 in Baden-Baden, erstmals gezeigt.
Prof. Georg Sahner befasst sich seit Jahren mit den System-
strukturen energieeffizienter Architektur. Ein Zusammenwirken aller Fachplaner unter Zugrundelegung aller relevanten Fach-
daten bis hin zu demoskopischen Überlegungen und dem Ziel vielseitiger Nutzbarkeit von Raumstrukturen sind Kernpunkte seiner Arbeit, die vornehmlich im Wohnungsbau zum Tragen kommt. Energieeffizienz als Grundlage heutiger Planungen sin
an der Hochschule Augsburg vor allem im Studiengang Ener-
gieeffizienzdesign verortet.
Prof. Rob Krier schreibt seit Jahrzehnten über die Grundprinzi-
pien von Urbanität und Stadtgestalt. Wie bauen wir eine Stadt, wird von ihm nicht als Frage behandelt, sondern vor dem Hintergrund seiner ebenso ausgeprägten Planungs- und Bau-
erfahrung gedeutet. Ein Architekt und Stadtplaner, der durch
sein Verständnis von „brauchbaren“ Stadtbausteinen in Archi-
tektenkreisen häufig kontrovers diskutiert wird, demonstriert
den Umgang mit den von ihm erkannten wesentlichen Elemen-
ten der „vielfältigen Stadt“.