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Reichspostgebäude / Sparkasse Bodensee

Bleiche

2009/07_Tagung/Exk._Konstanz

Ressourcenbewusste Stadtentwicklung_Dipl.-Ing. Kurt Werner / Neueste Entwicklungen im Wohnungsbau in Holland_Prof. Leonhard Schenk / Bau von gewölbten Decken ohne Schalung_Dr.-Ing. David Wendland Sulzerareal Winterthur Stadt_Dipl. Arch. ETH Walter Muhmenthaler / Bewehrtes Mauerwerk und erdbebengerechte Konstruktionen_ Dr.-Ing. Detleff Schermer / Der Turm zu Bhaktapur in Nepal_Prof. Wolfgang Rang / Werkbericht und Film, Parlamentsbauten in Liechtenstein_Prof. Hansjörg Göritz

Im letzten Sommer beschäftigten wir uns bei der Professoren-Tagung mit Themen wie „Globale Erderwärmung“ und „Nach-
haltigkeitszertifizierung“, nicht ahnend, dass das Unwort des Jahres 2008 „notleidende Banken“ uns bald plagen würde. Konzerne am Rande des Abgrunds, kollabierende Banken, Zehntausende Arbeitslose, milliardenschwere Stützaktionen - die Nachrichten überschlagen sich inzwischen fast stündlich!
Trotzdem geht das Leben in vielen Bereichen der Welt erstaun-
licherweise weiter. Es gibt zwar Umsatzeinbrüche, aber es be-
steht auch großer Bedarf an Bauleistungen allerorten. Woh-
nungen in vielen Ballungsgebieten sind Mangelware. Millionen
von Altbauten warten auf energetische Sanierung oder Abbruch und Neubau. Wo ist übrigens die Abwrackprämie für Häuser? Stattdessen beschert uns die Bundesregierung eine weitere,
extrem Baukosten steigernde Verschärfung durch Energie-Einsparverordnung und Erneuerbare-Energien-Wärme-Gesetz. Eine Erleichterung der Baufinanzierung statt eines Neuwagens vor der Tür würde Bauwillige und Baufirmen eher dazu ermuntern, ihre Anstrengungen auf die Schaffung von Wohneigentum zu konzentrieren und damit Arbeitsplätze und Renten zu sichern. Ebenso könnten in Deutschland lange vernachlässigte Themen, z.B. der Bau von Krippen, Kindergärten und -horten, sowie die Sanierung und der dringend benötigte Ausbau der Hochschulen, vorangetrieben werden.
Es gibt viel zu tun in den Städten und in ländlichen Gebieten!
Fakt ist, dass der Innovationssinn der Deutschen und ihre Führungsrolle bei der Entwicklung ökologischer Konzepte und umweltfreundlicher Methoden in vielen Bereichen der Wirtschaft
in Krisenzeiten erst recht gefragt sind. Bürgermeister Kurt
Werner arbeitet an der Ressourcen schonenden Entwicklung der Stadt Konstanz. Er zeigt Wege auf, wie eine kleine Universi-tätsstadt durch Weiterbauen mehr Qualität erreichen kann. Ökologisch, sozial und ökonomisch ausgewogene Stadtent-
wicklung. Urbane Dichte und qualitätvolle Freiräume als Ga-
rant für stadt- und landschaftsräumliche Qualität.
Prof. Leonhard Schenk untersucht diese Themen seit Jahren anhand von niederländischen Beispielen und berichtet aus-
zugsweise aus seinem neuesten Buch über Wohnungsbau in
den Niederlanden. Behutsame Stadterneuerung hat den Bau-
boom der 1990er Jahre mit seinem Vinex-Programm in den Niederlanden abgelöst, dessen Schwerpunkt kompakte Reihen-
haussiedlungen waren. Behutsame Stadterneuerung, verträg-
liche Verdichtung und individueller Ausbau von Bestandsge-
bäuden prägen inzwischen das Bild. Dipl. Arch. Walter
Muhmenthaler befasst sich mit der Entstehung eines neuen Stadtquartiers in der Industriebrache des Sulzer Areals in Winterthur. Hier geht es um die Umnutzung riesiger Hallen, in denen einst Dampfmaschinen und Dieselmotoren hergestellt wurden. Ein ganzheitliches Entwicklungsmanagement ist die Grundlage für die diversen Umnutzungs-, Umbau- und Neubauprojekte in diesem Areal. Große und kleinere Investoren sollen professionell und prozessorientiert an der Schaffung einer gemeinsamen Identität für dieses Gebiet arbeiten.
Dr. David Wendland hat sich einem Thema zugewandt, das über Jahrtausende relevanter Bestandteil der Baukunst war und nun langsam droht, in Vergessenheit zu geraten. Seine For-
schung zielt auf die Erhaltung der Kenntnisse und Fähigkeiten
hin, Gewölbe unterschiedlichster Ausformung freihändig, also ohne Schalung, zu mauern. In vielen Ländern der Welt wird
diese Bauweise nach wie vor praktiziert. Bei uns ist dieses traditionelle technische Wissen relevant für die Sanierung von denkmalgeschützten Bauten. Interessant könnte dieses Wissen auch für die Entwicklung neuer, gemauerter Schalenkonstruk-
tionsarten sein. Bewehrtes Mauerwerk und erdbebengerechte Konstruktionen sind wesentliche Bestandteile der Forschungs-
arbeit von Dr. Detleff Schermer. Bisher eher in Südeuropa und Übersee im Einsatz, ist bewehrtes Mauerwerk hierzulande noch wenig im Einsatz. Die Erforschung und Überprüfung praxistaug-
licher Systeme im Mauerwerksbau mit und ohne Bewehrung werden hier abgehandelt und entwickelte Lösungen beschrieben.
Prof. Wolfgang Rang und eine Gruppe von 25 Studierenden der Architektur bauten einen Turm in Bhaktapur in Nepal aus zum Teil selbst entwickelten profilierten Ziegeln gemeinsam mit
nepalesischen Maurern. “Das Bauen mit dem am Ort vorgefun-
denen Material erscheint im Lichte deutscher Bauprozesse und im Hinblick auf die Energiebilanz geradezu revolutionär“, schreiben die Initiatoren dieses Projekts. Prof. Hansjörg Göritz, der Architekt der neuen Gebäude des Landestags in Liechtenstein, fand sein Baumaterial in Form von “nahe liegender wetterfester Substanz” in örtlichen Tongruben. Das hell leuchtende Mauerwerk, als tonfarbenes “materialbrut” bis über die Dachflächen gezogen, bringt hier die “ernste Schönheit” der Architekturen der Hansestädte aus dem nördlichen Kulturraum in den alemannischen Alpenraum.